Geschichte des Corps Borussia Breslau zu Köln und Aachen

 
Corps als Vereinigungen von Studenten entstanden erstmals um das Jahr 1800. Im Sinne des Idealismus verfolgten sie keine politischen Programme, sondern machten sich Charakter- und Persönlichkeitsbildung der Studenten zur Aufgabe. Ziel war die Besserung der damals sehr rauen Sitten an den Universitäten.

Unser Corps Borussia Breslau wurde am 23. November 1819 als ältestes von vier Breslauer Corps gegründet. Diese schlossen sich zum Breslauer SC (Senioren-Convent) zusammen. Die SC beanspruchten in dieser Zeit das Recht zur Gesamtvertretung der Studentenschaft.

In den folgenden Jahrzehnten gründeten sich Burschenschaften und weitere Studentenverbindungen mit zum Teil deutlich anderen Zielen. Um sich davon abzugrenzen und die eigenen Ideale wieder deutlicher zu machen, organisierten sich die SC 1855 überregional im Kösener-Senioren-Convents-Verband (KSCV).

Bereits in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens - in der Zeit der Restauration und des Vormärz - musste sich das Corps Borussia Breslau aufgrund der politischen Umstände zweimal formell auflösen. Der Zusammenhalt der Corpsbrüder blieb jedoch im Verborgenen unvermindert bestehen, so dass jeweils etwa nach Jahresfrist die Rekonstitution (Wiederherstellung) erfolgen konnte.

Am 6. März 1896 weihte die Borussia - wie viele Corps zu dieser Zeit - ihr neu gebautes Corpshaus in der Neuen Gasse 6, das erste seiner Art in Breslau, ein. 1911 wurde es großzügig umgebaut und erweitert. Als 1910 die Technische Hochschule Breslau eröffnet wurde, nahm unser Corps auch Studenten der technischen Fakultäten in seine Reihen auf - eine innovative Erweiterung des Horizontes gegenüber anderen Kösener Corps, die sich traditionell nur aus Studenten der an Universitäten gelehrten Fächer rekrutieren.

In der Zeit des Dritten Reichs löste sich das Corps am 13. Oktober 1935 auf, um der Gleichschaltung durch die Nazis zu entgehen. Der Zusammenhalt der Mehrzahl der Corpsbrüder lebte jedoch fort. Daher dauerte es nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Verlust des Corpshauses in Breslau nicht lange, bis Borussia gemeinsam mit dem Corps Holsatia Kiel, dem man traditionell eng verbunden ist, die Aktivität wieder aufnahm.

Am 21. April 1951 erfolgte in Münster die eigenständige Rekonstitution. In Köln, zwischen dessen und der Breslauer Universität eine Partnerschaft besteht, fand unser Corps Anfang der 1950er-Jahre seine neue Heimat. Im Bewusstsein der Breslauer Idee der Zusammenführung von Studenten technischer und universitärer Fachrichtungen wandte sich Borussia ab dem Wintersemester 1951 auch nach Aachen und nahm mehr und mehr Studenten der Technischen Hochschule in seine Reihen auf. Seit 1953 führen wir daher die offizielle Bezeichnung „Corps Borussia Breslau zu Köln und Aachen".

Als erste Heimstatt wurde 1955 eine Mietwohnung am Ubierring 21 in Köln bezogen. Bald darauf, 1957, nutzte das Corps mit großzügiger finanzieller Hilfe aus der Altherrenschaft ein geräumiges Wohnhaus in Aachen an der Nizzaallee 63. 10 Jahre später wurde in Köln in der Amalienstraße 5 ein weiteres Corpshaus bezogen

Gegen Ende der 1990er-Jahre wurde der Entschluss einer Konzentration auf den Standort Aachen gefasst. Hier bieten sich gute Chancen, dass das Corps Borussia Breslau im Bewusstsein seiner langen, ehrenvollen Geschichte auch in Zukunft „lebt, wächst und gedeiht". Diese Zukunft hat schon begonnen.


 

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